Helikopterfrauchen

Liebe Mitleser,

heute habe ich mich dazu entschlossen auch etwas zum Thema „Helikopterfrauchen“ beizutragen. Eigentlich wollte ich Euch ja erst vom Wochenende im Wald erzählen, aber ich denke, das muss mal kurz warten.

Doch zunächst muss ich wohl den Begriff „Helikopterfrauchen“ erläutern. Unter Helikopter-Eltern, auch Hubschrauber-Eltern genannt, versteht man sehr überfürsorgliche Eltern, die sich, praktisch wie ein beobachtender Helikopter ständig in der Nähe ihrer Kinder aufhalten, um diese zu überwachen oder zu behüten. Im Falle der Hunde betrifft dies wohl am ehesten den Erziehungsstil der Überbehütung.

Am Montag sah ich, dass Rubys Krallen schon ordentlich lang geworden sind, so dass ihre Pfötchen sich auf dem Boden so „spalteten“. Da ich sowieso beim Tierarzt das „Cerenia“ bestellt habe, um Rubys Reisekrankheit Ende November zu umgehen (da steht ein Geburtstagsausflug an die Ostsee an), haben wir sie und Jacki (eigentlich zur Unterstützung) prompt mitgenommen. Eigentlich schneiden wir die Krallen selbst, aber da Ruby schwarze Krallen hat, gehen wir bei ihr lieber auf Nummer sicher und lassen die eine oder andere Maniküre ausfallen. Wenn ihr hierzu Tipps habt, wie ihr das bei euren Hunden macht, immer her damit, wir tun uns bei Ruby da echt schwer auch wenn sie schon fleißig auf Asphalt spazieren geht.

Guck mal was ich habe!!
Guck mal was ich habe!!
Ruby in Aktion mit ihrem Futterdummy
Ruby in Aktion mit ihrem Futterdummy

Zurück zur Tierarztsituation: Ruby bekam ein Maulkorb, da wir nicht garantieren konnten, dass sie nicht mal eine Miene beim Krallenschneiden verzieht. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass Ruby vor Allem, was auch nur ein komisches Geräusch macht, Angst hat. Zischende Flaschen, das Knacken des Krallenschneiders oder sogar das Vibrieren eines Handys. Und nun wird es helikoptermäßig: Frauchen weiß, dass Ruby beim Krallenschneiden wohl eher weniger was passieren wird. Und selbst wenn, sind die Spezialisten ja vor Ort. Wer hat also am meisten geschwitzt bei der ganzen Prozedur? Na klar. FRAUCHEN! Immer wenn Ruby sich „angestellt“ hat und deshalb gequiekt hat, hat Frauchen noch viel mehr gezittert. Lächerlich, denken sich jetzt vielleicht viele. Für mich aber Stress pur.

Nachdem Ruby also widerwillens mit ihrer Maniküre fertig war, fiel Meik ein, dass wir Jackis Augen ja mal kontrollieren lassen könnten, da wir das Gefühl hatten, dass er nicht mehr richtig sieht. Gerade wenn von links eine Wand kommt, zieht er gerne mal stark nach rechts. Gesagt, getan. Die liebe Tierärztin (Frau Voigt und ihr Team sind übrigens super!) bestätigte unsere Vermutung: Jacki sieht auf dem linken Auge nicht mehr, rechts aber noch ein bisschen. Schon ein Schreck, aber da wir es vermutet haben, haben wir uns schon drauf eingestellt.

Da er zu dieser Jahreszeit vermehrt hustet, was meist im Ruhezustand der Fall ist, wollten wir auch dies mal kontrollieren lassen. Er hustet schon so lange ich ihn kenne ab und zu mal, aber damals sagte man uns, dass das nichts Bedrohliches sei. Die Tierärztin und ihre Assistentin waren sowieso hin und weg von Jacki, der mal wieder die Rolle des „Publikumsliebling“ perfekt ausführte. Wo er doch gerade so schön mitmacht, hörte die Tierärztin ihn also ab.  Mit Sorge im Blick schaute sie uns an und sagte, dass sie Herzgeräusche hören würde, die sie als nicht so ganz normal empfand. Sie nahm ihn deshalb mit um ein Röntgenbild zu machen. Wir mussten derweil mit Ruby, die sich mittlerweile beruhigt hat, im Wartezimmer warten und hatten genug Zeit, alle Szenarien durchzugehen was wäre, wenn. Herzgeräusche. Was für ein blöder, weiter Begriff. Dass es schlägt ist schon mal gut, das weiß ja jeder, aber was zum Teufel sind Herzgeräusche? Bei Grey‘s Anatomy (Achtung: Fan!) bedeutet dies meistens, dass entweder jemand stirbt oder operiert werden muss. Nur ist das leider keine Serie, sondern Jackis Leben und da kenne ich keinen Spaß. Als das Bild fertig war, brachte die Assistentin ihn zurück. Nicht an der Leine, nein. Jacki ließ sich schöööön von der netten Dame tragen. Als sie ihn absetzte, sagte sie, dass das ja ein ganz besonderer Jack Russel ist und er auf dem Arm sogar mit ihr kuschelt. Ja ich sagte ja, Publikumsliebling. Er ist der Beste!

Die Diagnose: Jackis Herz ist wohl sehr groß, weshalb sich seine Luftröhre verschoben hat und er deshalb manchmal so trocken bzw. würgend hustet, gerade im Ruhezustand. Er soll jetzt täglich ein Medikament bekommen. Fortekor 2,5. Und wir sollen einen Spezialisten aufsuchen, der mit dem Ultraschall noch mal genauer schauen soll, was mit Jackis Herzen nicht stimmt. Meik und ich standen neben der Ärztin wie angewurzelt. Mir schossen 1000 Fragen in den Kopf und auch Meik fragte, wie wir jetzt mit Jacki umgehen sollen. „Bloß nicht in Watte packen!“, sagte die Tierärztin. Wie soll ich das denn machen? Ich weiß doch, dass mein Hund ein Herzproblem hat. Ich weiß auch, dass er kein Limit kennt, wenn man mit ihm spielt. Er ist doch 150% Jacki, ein typischer Jack Russel halt. Irgendwie kann ich immer noch nicht so ganz begreifen, was da jetzt eigentlich los ist, obwohl ich ein sehr „wissenschaftlich“ denkender Mensch bin. Ich informiere mich und laufe dann rum wie ein kleines Lexikon. Aber hier hatte ich um ehrlich zu sein noch nicht den Mut nachzulesen. Aus purer Angst.

Für mich ist es unbegreiflich, wie man einen Hund als „Sache“ betrachten kann. Sie sind doch unsere „Bumis“ wie wir immer so schön sagen (Bumi=seltsame Ableitung von „Blume“, stammt aus dem Kindermund von Alessia, meiner Großcousine). Gerade in so einer Situation, wo es meinem Hund allem Anschein nach nicht gut geht kann ich diese Debatte noch weniger verstehen. Bei uns ist jeder von den beiden ein „Familienmitglied“, mit Leib und Seele. Wir wollen stets das Beste für unsere Mäuse, weil, wie Meik immer so schön sagt: „… sie uns so viel zurück geben und uns so viel Geborgenheit schenken“, egal in welcher Situation.

Wenn Helikopterfrauchen also bedeutet, in jeder Lebenslage für meinen Hund da zu sein, dafür sogar alles stehen und liegen zu lassen. Wenn es bedeutet, mein Leben nach meinem Hund auszurichten. Wenn es heißt, dass ich dafür alles geben würde. Ja, dann bin ich ein Helikopterfrauchen, wenn nicht sogar ein ganzes Flugzeug. Flugzeugfrauchen, das klingt stark… Ja das passt!

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